Aglaophyton: Aufwärts-Bogen und Querschnitte
Was gibt es Neues im Rhynie Chert ?
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Die Forschungstätigkeit zum Rhynie Chert hat in letzter Zeit zugenommen. Die Ergebnisse sind in Zeitschriften und im Internet zu finden [1,2]. Eine Sonderausgabe der Proceedings of the Royal Society Edinburgh [3] ist die größte Zusammenstellung diesbezüglicher Ergebnisse in einem Band, mit umfangreichen Bezügen zu früheren Arbeiten. Eine Zusammenfassung mit Schwerpunkt auf neuen Ergebnissen, mit 72 Farbbildern, kann als die schönste Veröffentlichung zu diesem Thema bezeichnet werden [4] (in Niederländisch).

Bild: Aufwärts-Bogen von Aglaophyton. Die Orientierung erkennt man an mehreren Chalzedonbändern in früheren Gasblasen (eine große rechts unten), die später mit Wasser gefüllt waren. Die leicht unterschiedlichen Orientierungen deuten auf Bewegungen während der Verkieselung des Schlammes hin. 

Gegenwärtig wird die Entwicklung der Paläobotanik manchmal durch umständliche Publikationsverfahren gebremst: Gewöhnlich muss ein Beitrag inhaltsschwer und professionell sein, um zur Veröffentlichung angenommen zu werden. Das verhindert einen schnellen Austausch von Informationen und Ideen. Die Begutachtung der Manuskripte durch Experten erfüllt nicht immer ihren Zweck, Irrtümer zu vermeiden. Dafür werden einige erstaunliche Beispiele angegeben.
 Erfreulicherweise ist das Internet ein Mittel, solche Hindernisse zu umgehen. R. Kretzschmar (damals Hobby-Paläontologe, jetzt Naturkunde-Museum Chemnitz) konnte mit seiner "kieseltorf"-Website [5] Mitteilungen über Hornsteine und deren Fossilien schnell verbreiten. Das bot eine Gelegenheit, ab 2003 neue Erkenntnisse aus eigenen Funden vorzustellen, und regte dazu an, ab 2010 diese "chertnews"-Website zu schaffen, mit Rhynie Chert als Schwerpunkt. R. Rößler (Naturkunde-Museum Chemnitz) reagierte auf wiederholte Hinweise zu mehreren Fehlern in seinen Publikationen irrational mit der Ablehnung von Diskussionsangeboten und 2010 mit der Löschung der Rhynie-Beiträge in "kieseltorf".
Jede der nummerierten Beiträge zu Rhynie Chert News basiert auf eigenen Funden und soll etwas Neues bieten. Die meisten Neuigkeiten sind nur winzige Teile zum großen Puzzle der Paläontologie, aber haben einige haben größere Bedeutung.
Als Beispiel sei die seltsame kleine Kugel Pachytheca hier erwähnt: früher für eine Grünalge gehalten, jetzt unter den "Rätselhaften Organismen" eingeordnet [6], niemals zuvor als gut verkieseltes Fossil beschrieben. So ist das hier beschriebene Exemplar von Rhynie nützlich für Vergleiche mit den häufigen kohlig erhaltenen Exemplaren von anderen Fundstellen. Einige wenige Funde anderer "Rätselhafter Organismen" geben Antworten auf alte Fragen und stellen neue, oder sie helfen beim Aufdecken alter Irrtümer.
Die eingerollte Spitze der seltensten "Höheren Pflanze" im Rhynie Chert, Ventarura, ist die einzige bisher gefundene und wird in jeder Rekonstruktion der Pflanze zu berücksichtigen sein. Ein auffälliges koaxiales Rohr in den oberen Teilen von Ventarura, angeblich eine versteifende Komponente aus Sklerenchym, 
ist nicht so zu deuten.
Die angeblichen Riesenzellen in der Epidermis von Nothia sind röhrenförmige Hohlräume, gebildet durch gezieltes Auflösen zahlreicher Zellwände, wahrscheinlich um als Behälter für widerliche Flüssigkeit zu dienen, die Pflanzenfresser abschrecken soll.
Auch von der häufigsten Rhynie-Pflanze, umbenannt von Rhynia major zu Aglaophyton major, kam Neues: Der wellenartige Wuchs ergab sich nicht, wie zuvor angenommen, aus einer wiederholten Folge von aufrechtem Wachsen und nachfolgendem Umfallen des Sprosses, sondern aus der Fähigkeit des aufrechten Sprosses, in kleinem Bogen nach unten zu wachsen und dort die Richtung umzukehren, wie hier im Bild . (Die Berechtigung für die bedauerliche Umbenennung ist ernsthaft bezweifelt worden [7]).
Das Highlight unter den eigenen Entdeckungen ist eine ganz unerwartete dramatische Szene, eine Momentaufnahme des Lebens in den flachen Randgewässern der heißen Quellen nahe Rhynie vor 400 Millionen Jahren, mit dem weitaus ältesten jemals gefundenen Rädertierchen, gefangen durch schnelle Bildung von Kieselgel während eines Überfalls auf eine kugelförmige Blaualge (?).
Die fadenförmige Blaualge
Croftalania hat sich beim Zusammenlagern zu komplexen Strukturen als überraschend vielseitig erwiesen, was von diesen primitiven Mikroben nicht zu erwarten war.
Kürzlich wurde ein zentimetergroßes Pflänzchen gefunden, das nicht zu den anderen Pflanzen zu passen scheint.

Eine der letzten Entdeckungen (2014) betrifft mm-große Blasen, entweder mit zahlreichen Zellkernen oder leer, damit auffallend ähnlich einer jetzigen Gelbgrün-Alge vor oder nach dem Ausschwärmen des Inhalts als Schwärmsporen oder Gameten.
Mit einem Fundstück von 2013 haben die schon im Devon verbreiteten Charophyten eine Überraschung geliefert (2015). Es ist wahrscheinlich eine urtümliche Art, deutlich verschieden von allen bisher bekannten lebenden und fossilen Charophyten, überkommen aus Zeiten, als
die Charophyten noch nicht die typischen Gyrogoniten entwickelt hatten.
Es ist beabsichtigt, die Serie Rhynie Chert News fortzusetzen, solange die Auswertung der Funde Neues liefert.

H.-J. Weiss       2005,  geändert 2010, 2011, 2014, 2016, 2017

[1]  www.abdn.ac.uk/rhynie
[2]  www.uni-muenster.de/GeoPalaeontologie/Palaeo/Palbot/erhynie.htlm
[3]  N.H. Trewin, C.M. Rice (eds.): The Rhynie Hot Spring System,
       Trans. Roy. Soc. Edinburgh, Earth Sci. 94(2004 for 2003), Part 4.
[4]  H. Kerp, H. Hass : De Onder-Devonische Rhynie Chert,
       Grondboor & Hamer 58(2004), 33-51.
[5]  www.kieseltorf.de
[6]  T.N. Taylor, E.L. Taylor, M. Krings: Paleobotany, Elsevier 2009.
[7]  Dianne Edwards : A review of the sporophytes of embryophytes in the cherts at Rhynie,
      Trans. Roy. Soc. Edinburgh, Earth Sciences 94(2004 for 2003), 397-410.

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