Warnung : Betrüger
Scheinwissenschaftlicher Unsinn
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Die noch verbreitete (aber nachlassende) Ehrfurcht vor akademischen Titeln verleitet manche Wissenschaftler dazu, mit scheinwissenschaftlichem Geschwätz sich Vorteile zu verschaffen. Ein spezieller Fall wird hier genauer betrachtet.
Zum 5. Hornstein-Treffen (2006) im Naturkunde-Museum Chemnitz hatte ich vor zwei promovierten Physikern gewarnt, die sich Anfang der 90er Jahre zum Scharlatan gewendet hatten. Dabei nutzten sie wissenschaftliche Rhetorik, die von Normalbürgern nicht als hohl zu durchschauen ist und sogar Wissenschaftlern glaubhaft erschien, um mit leeren Versprechungen oder mit speziell zu diesem Zweck erzeugten Ängsten Geschäfte zu machen.
Einer der beiden, Hartmut Müller, wurde 2012 wegen Betruges zu mehr als 4 Jahren verurteilt, ein Komplize hat Selbstmord begangen (Sächs. Zeitung 11.2.2012). Der Andere genießt jetzt noch das Wohlwollen des Museumsdirektors und der Stadtverwaltung in Chemnitz, obwohl ich mehr als einmal vor dem zum Scharlatan mutierten Physiker gewarnt hatte.

Kommentar
zu den Beiträgen von H.-D. Langer in den Veröffentlichungen des Museums für Naturkunde Chemnitz

Keine Angst vor "Erdstrahlen" !
Das Phänomen des Wunderheilers, dessen Erfolg darauf beruht, dass man an seine Fähigkeiten glauben will, gibt es in allen Kulturen. Mancher Mensch glaubt gern, bezahlt für den Rat, die Betten aus dem Bereich der Erdstrahlen zu rücken, auch wenn es die Erdstrahlen gar nicht gibt, und fühlt sich danach wohler, weil er damit unbewusst den Gedanken verdrängt, das Geld umsonst ausgegeben zu haben.
Das und ähnliches entdecken heutzutage auch arbeitslose Wissenschaftler als Geschäftsidee. Der akademische Titel und das Hantieren mit Messgeräten schaffen Vertrauen. Auf dieser Grundlage gedeiht mancherlei Esoterik in wissenschaftlichem Gewand. Mit der Gewissheit, dass der Durchschnittsbürger die Sache unmöglich durchschauen kann, erzeugt man Ängste vor nicht vorhandenen Gefahren und missbraucht das hohe Ansehen, das die Wissenschaft in der Bevölkerung noch genießt, zum eigenen Vorteil.
Ein Beispiel dafür sind die drei Beiträge von Dr. habil. Hans-Dieter Langer zu strahlengeschädigten Bäumen in den Veröffentlichungen des Museums für Naturkunde Chemnitz. Die Schäden sind angeblich von Strahlen verursacht, die aus der Erde kommen.
Das Geschäft mit der Angst Ahnungsloser ist nicht leicht zu bekämpfen, wenn alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist. Es ist auch schwer nachzuweisen, dass eine nicht vorhandene Gefahr wirklich nicht vorhanden ist. Leichter ist es, mittels einiger physikalischer  Kenntnisse die Argumente der umtriebigen Geschäftemacher als Unsinn zu enttarnen. Bombastisch klingende Formulierungen Langers, wie "physikalisch-radiästhetische Strukturen mit 24Std.-Schwankungsbreiten" und "polygonal tangierende eng gestaffelte Mehrfachanordnung von Neutronenmoden" (Veröff. Mus. Naturk. Chemnitz, Band 21) können auch bei physikalischen Laien den Verdacht auf bewusste Irreführung aufkommen lassen.
Die Erklärung für die angeblich gebündelt auftretenden Neutronenstrahlen lässt sich einfach widerlegen. Nach Langer werden die Neutronen aus der Tiefe durch mehrfache streifende Reflexion zwischen zwei parallelen Bruchflächen im Fels nach oben geleitet, wie Licht zwischen zwei Spiegeln. Das ist eine Überlegung wert. Eine Fläche kann nur dann spiegelnd reflektieren, wenn sie so glatt ist, dass die Unebenheiten kleiner sind als das auftreffende Objekt oder als die Wellenlänge der auftreffenden Welle. Da das Neutron 105mal kleiner ist als die Atome des Spiegels, kann es nicht wie ein Ball an einer Wand reflektiert werden. Es bleibt die Frage zu beantworten, ob es als Welle reflektiert werden kann. Die jedem Teilchen (auf unerklärliche Weise) zukommende Wellenlänge erhält man einfach als Plancksche Konstante geteilt durch den Impuls des Teilchens. Die durch den Felsen kommenden Neutronen könnten im Mittel nicht langsamer sein als die der Temperatur des Felsens entsprechende thermische Geschwindigkeit, womit eine untere Grenze für den Mittelwert des Impulses gegeben ist. Die daraus folgende obere Grenze für die mittlere Wellenlänge ist 10-8cm, also so klein, dass die Neutronenwelle an der Bruchfläche im Fels nicht reflektiert, sondern in alle Richtungen gestreut würde. Es kommt also nicht zur Bildung von Neutronenstrahlen längs Störungszonen.
Das einfachste Argument gegen Langers Neutronenspuk besteht in folgendem: Die intensive Überwachung radioaktiver Strahlung weltweit hätte die fraglichen gebündelten Neutronenstrahlen in der Natur längst aufgespürt, bevor Langer die Strahlenfühligkeit der Bäume in seinem "Ersten Neutronengarten der Welt" in Niederwiesa entdeckte.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beiträge 
Langers absurd sind und nur dazu dienen, sein Geschäft mit der Angst vor Strahlen zu fördern.

Hans-Jürgen Weiss          2009

Anmerkung 2011:
Dr. R. Rößler verkauft noch alte Jahrgänge mit Esoterik und begründet das mit der Pflege der Meinungsvielfalt im Museum und mit Meinungsfreiheit als verfassungsmäßig garantiertem Gut. Entgegen seiner erklärten Absicht, eine Diskussion über Esoterik anzuregen, weigert er sich beharrlich, den Kommentar in den "Veröffentlichungen des Museums für Naturkunde Chemnitz" abzudrucken, weil es eine individuelle Meinung sei, für die kein Recht auf Veröffentlichung besteht.
Meinungsvielfalt im Naturkunde-Museum unter Einbeziehung von Esoterik ist keine gute Idee, denn sie fördert Beliebigkeit und ist das Gegenteil von Wissenschaftlichkeit.

Anmerkung 2012:
Im Sächsischen Landtag vertritt man zur Förderung wissenschaftlich getarnter Esoterik durch Museum und Behörden folgende Meinung:
"Diese Auseinandersetzung kann nur im Bereich der Wissenschaft geführt werden und unterliegt damit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 des Grundgesetzes bzw. Art. 21 Satz 1 der Sächsischen Verfassung".
Damit wird die Scharlatanerie zur Wissenschaft erhoben, und da die Freiheit der Wissenschaft verfassungsmäßig garantiert ist, gilt in Sachsen also auch die Freiheit der Scharlatanerie.
So hat sich der unerträgliche Zustand eingestellt, dass einige professionelle Wissenschaftler, die Wissen mehren und verbreiten sollen und dafür von der Allgemeinheit bezahlt werden, sich gegenüber der Förderung scheinwissenschaftlichen Unsinns im Naturkunde-Museum Chemnitz auffallend gleichgültig verhalten. Damit wird es Betrügern leicht gemacht, Ängste der Bevölkerung vor der unbedenklichen natürlichen radioaktiven Strahlung anzufachen und für ihre Zwecke zu missbrauchen.

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